Freitag, 13. Januar 2017

Ein Tagesmenü à la Ariana

Planung


Die Planung eines Ausflugs bzw. längeren Spaziergangs hat durchaus Ähnlichkeiten mit der Planung eines Menüs.
Bei beiden gilt es, einiges zu bedenken.

Was will ich kochen? / Welches Ziel wähle ich?
Welche Zutaten benötigt das Menü? / Was packe ich in Handtasche bzw. Rucksack?
Welche Vorspeise biete ich an? / Wie bzw. womit erreiche ich mein Ziel?
Welche Zutaten kredenze ich beim Hauptgericht? / Wie oder wo(mit) verbringe ich die meiste Zeit?
Biete ich einen Zwischengang an? / Gibt es etwas in der Nähe, was einen Abstecher lohnt?
Gibt es ein Dessert? / Geht es danach gleich zurück nach Hause oder kehre ich noch irgendwo ein?

Am Vorabend des Tagesmenüs / Ausflugs darf man sich das in etwa so vorstellen:

Tagesmenü à la Ariana

Das Äquivalent für einen Ausflug könnte so gestaltet sein:

 

Tagesauflug à la Ariana
 Soweit also der Plan.


Die Relität klopft an


Mit anderen Worten, das Leben erscheint, bringt Chaos mit und die beiden nehmen sich das Tagesmenü vor. Sie ändern und streichen durch, verbessern noch einmal, entschließen, dass es so nicht klappt, bringen handschriftliche Bemerkungen an und beginnen dann mit dem Streichen und Ändern von vorne. Dabei wird gelacht und geschrieen, geschubst und geknufft. Leben streicht und Chaos schreibt um. Leben gefällt nicht, was Chaos fabriziert, streicht seinerseits und kichert sich ins Fäustchen. Woraufhin  Chaos mit Stolz geschwellter Brust befriedigt ob seiner Arbeit vor sich hinbrummt, während er das, inzwischen ziemlich unleserliche Menü, mit Kennermiene für gelungen erklärt.

Übrig bleibt die Essenz. Ein kläglicher Rest, der sich so liest:

Vorspeise - Irgendwo im Kühlschrank muss noch ein kleiner Rest von dem Ricotta liegen
Hauptgericht - Spiegeleier mit den Gemüseresten von gestern klingt ideal
Dessert - Falls mich meine Erinnerung nicht täuscht, sind noch Mandarinen übrig

Wohlgemerkt, dass alles findet nur und ausschließlich in meinem Kopf statt, meistens in Form sich überschlagender Gedanken!


Übersetzt und angerichtet


Anstatt also früh aufzustehen und voller Elan in den Tag zu starten, wurde ich viel zu spät wach. Was dem schlechten Schlaf in der Nacht und dem fehlenden Weckerklingeln zuzuschreiben war. Den Wecker hatte ich schlicht vergessen zu stellen.

Da die Einleitung mehr als ausreichend Worte enthält und ich den Spruch "Das Auge isst mit!" für äußerst zutreffend halte, serviere ich nunmehr mein mit Bildern garniertes Tagesmenü.



Vorspeise


Aus der langen Busfahrt wurde ein Spaziergang "ums Eck".

"Papa, da hat jemand was auf das Auto geschrieben!" "Ja, ich sehe es." "Warum schreibt denn jemand 'Hallo' auf ein Auto?" "Weiß ich auch nicht."
Hallo im Schnee einer Windschutzscheibe
Schade, dass dem Papa keine bessere Antwort einfiel, denn ich dachte: "Weil da jemand einfach jedem, der vorbeigeht gerne 'Hallo' sagen wollte. Vielleicht hat es ihm oder ihr einfach Freude bereitet der Welt ein freundliches 'Hallo' zu wünschen."

Was das Kind wohl den Papa gefragt hätte, wenn es den Smilie auf der nächsten Windschutzscheibe entdeckt hätte?
Mit einem Smilie wurde diese Windschutzscheibe verschönert
Diesem Wunsch schließe ich mich an.
Ein schöner Wunsch

Hauptgericht


Ein paar Grünflächen in der Stadt reichen aus, um frische Luft, Bewegung und einige Bilder zu bekommen.

Gegen den grauen verhangenen Himmel bietet der Ilexstrauch dem Auge mit seinen leuchtend roten Beeren willkommene Abwechslung.
Ilexs mit  vielen roten Beeren
Durch die weiß glitzernde Schneehaube leuchten die Beeren noch intensiver.
Ilex mit Schneehäubchen
Trotz klirrender Kälte trieb die hier seltene Schneedecke viele Erwachsene und Kinder ins Freie. Menschen tauchen auf meinen Bildern eher selten auf.
Spaziergänger im Park
Winterliche Aussicht
Gut eingepackt gegen die Kälte
In unseren Breitengraden nur sporadisch nutzbare Schlitten wurden vom Staub vergangener Jahre befreit und dienten Kindern als vergnügliches Fortbewegungsmittel. Mir begegneten viele Eltern, die sich selbst freiwillig als Zugtiere betätigten und sich vor den sprichwörtlichen Schlitten hatten spannen lassen. 
Das Kind liegt gemütlich auf dem Schlitten, während die Mutter zieht
Diese Kontraste bietet nur der Winter.
Baumstamm mit Schnee
Gezuckerte Baumrinde mit Moos
Der Baum war riesig. Der Baum war breit. Absolut unwillig sich ganz einfangen zu lassen. Das Gebüsch mit dem Zaun hinter mir erwies sich leider ebenfalls als wenig hilfreich, den Baum komplett mit der Kamera einzufangen.
Baum mit ausladenden Zweigen
Erst aus der Nähe erkennt man die Ursache der starken Farbunterschiede des Nadelbaums. Abgestorbene Äste.
Nadelbaum in grün-braun
Abgestorbene Äste mit vertrockneten Nadeln

Eingeschobenes Amuse-Gueule


Ein Appetithappen der ungeplanten Art bildete mein spontaner Abstecher in die Ausstellung einer kleinen Galerie auf meinem Weg. Die überwiegende Zahl der wenigen Ausstellungsstücke entsprach nicht meinem Geschmack, aber das ein oder andere fand ich trotzdem interessant.

Erstaunlich fand ich die an der Wand angebrachte "Drawing Machine II" von einem gewissen Belasco Rogers. Mithilfe der seltsam anmutenden Apparatur, die sich der Künstler an den Körper bindet, setzt er seine Bewegungen in Zeichnungen um.
"Drawing Machine II" von Belasco Rogers
Im Gegensatz zu dem Zeichenapparat und der Idee an sich, fand ich die entstandenen Zeichnungen nicht überzeugend.
Bleistiftzeichnungen von Belasco Rogers
Wirklich gelungen dagegen fand ich die Fotografien von Richard Rocholl. Leider gab es nur diese.
Bilder von Alleen - Richard Rocholl


Auf dem Weg zur Nachspeise


Bis zum Dessert dauerte es noch ein wenig und so verkürzte ich mir den Weg dorthin mit ein paar Aufnahmen.
Lachender Smilie und ein Herz aus Schnee auf Autofenstern
Alte Laternen verströmen ein warmes Licht, das sich im Schnee verbreitet.
Dörfliche Ansicht einer Großstadt im Winter
Warmes Laternenlicht beleuchtet den Weg
 Ein Haus mit vielen bunten Kerzen in den Fenstern.
Ein kleines Haus mit erleuchteten Fenstern
Kerzen aus Transparentpapier zieren die Fenster

Dessert


Das Café, in dem ich meinen Latte macchiato bestellte, lag zwar nicht im Park, dafür jedoch ziemlich nah an meiner Wohnung. Bisher hatte ich dort nur im Sommer einmal draußen gesessen, daher war mir der Innenraum absolut unbekannt.

Es ist klein und schnuckelig. 
Lichterketten an Wand und Fenster schmücken den Innenraum des Cafés
Liebevoll eingerichtet mit überraschenden Details.
Der Kronleuchter mit blauen Einmachgläsern und Glastropfen hängt an der Decke.
Das Beste war, dass ich den Platz direkt neben dem Kamin ergattern konnte. OK, der Kamin war nicht ganz echt, aber die Flammen flackerten dafür umso echter. Ob echt oder nicht ist in diesem Fall jedoch absolut irrelevant, denn gemütlich neben einem Feuer zu sitzen hat immer etwas sehr Entspannendes und Heimeliges.
Lodernde Flammen im künstlichen Kamin erwärmen das Herz
Ein flackerndes Kaminfeuer, ein heißer Latte macchiato und auf dem Schoß das Strickzeug mit der weichen Wolle. Mein erster Adventskalenderschal, die "Lace Winter Rose" von unikatissima, wurde im Café ein kleines Stück länger.
Mein Strickzeug und ein Latte macchiato bilden das perfekte Dessert
Mein lauschiger Sitzplatz neben dem Kamin
Einen besseren Abschluss konnte dieser herrliche Wintertag nicht haben.

Und so lautet mein Fazit für diesen Tag, dass selbst einfachste Menüs sich zu einem kulinarischen Hochgenuss entwickeln können, wenn wir bereit sind uns darauf einzulassen und es zu genießen.

Genießt die positiven Dinge, die Euch begegnen. Seien sie nun geplant oder nicht.

Ariana

P. S. Wenn das Menü gefallen hat, darf gerne etwas Sahne dazugegeben werden, wenn nicht, einfach weitergehen und ein eigenes Menü planen! 😀



© Fotos & Text by Ariana Lazar 13/01/2017

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Donnerstag, 12. Januar 2017

Abendliches Schneetreiben in der Stadt

Das erste Mal im neuen Jahr alte Bekannte treffen und danach, nach langer Pause, wieder einmal an einem trialogischen Seminar teilnehmen. Das klingt gar nicht so übel.

Vor allem, wenn man, wie ich, in der letzten Zeit nur dann die Wohnung verlassen hat, wenn der Kühlschrank mit gähnender Leere anzeigt, dass man Gefahr läuft, eines langsamen Hungertodes zu sterben.

Zu beiden Aktivitäten drängt es mich jedoch nicht besonders. Seit Tagen fühle ich mich eher lustlos und mein Bedürfnis nach einem Treffen mit vielen, wenn auch teilweise bekannten, Menschen tendiert derzeit gegen null.

Während ich mit mir noch darüber diskutiere, ob es nicht für meine seelische Verfassung förderlicher wäre, Menschen zu treffen, anstatt zu Hause zu sitzen und mein zweites Ich darauf entgegnet, dass es durchaus ausreicht, den Kühlschrank wieder notdürftig aufzufüllen, da man dabei sowieso meistens mehr Menschen trifft, als einem lieb ist, schweift mein Blick in Richtung Fenster.

Damit ist jede weitere Diskussion obsolet! Beide angedachten Versionen bekommen eine Absage und Option Nummer drei hat mit vollen zehn Punkten innerhalb von Millisekunden gewonnen. Das heutige Tagesziel ist ausgewählt.

Es geht raus! Egal wohin, Hauptsache es gibt Schnee und ich kann lange und ganz in Ruhe das Schneetreiben genießen! Und darin rumlaufen. Und vielleicht ein paar Fotos machen. Wichtig ist nur der Schnee!

Schnee! Schnee! Schnee!


Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, ich liebe Schnee! Wenn es etwas gibt, dass es fertigbringt, mich aus tiefster Unlust zu wecken, dann ein Blick auf dicke, massenweise vom Himmel fallende weiße Flocken!

Es hat tatsächlich, für meine Verhältnisse, nicht einmal besonders lange gedauert, bis ich mich, dick vermummt, mit der Kamera im Gepäck zur nächsten Bushaltestelle begeben habe. Ein bestimmtes Ziel gibt es diesmal nicht und so steige ich irgendwann aus, laufe eine Weile eher ziellos durch die Straßen und entscheide mich dann für einen verschneiten Weg am Kanalufer entlang.

Fahrräder im verschneiten Hof
Verschneite Straßen
Läuft man während eines Schneetreibens am Kanal entlang, können stimmungsvolle Bilder entstehen.

 Beleuchtetes Restaurantschiff bei Schnee

Teilweise konnte ich vor lauter Schneetreiben kaum etwas erkennen, trotzdem habe ich jeden Moment genossen. Es sind nicht viele Bilder geworden, aber die wenigen spiegeln etwas von der herrschenden Stimmung wieder.

Im Kanal spiegeln sich die Lichter der Stadt

 Unvermutet bin ich noch auf einen großen beleuchteten Weihnachtsbaum gestoßen. 

Weihnachtsbaum mit Schnee und warmen Lichtern
Winterliche Brücke mit alten Laternen

Im Licht der verzierten Laterne erkennt man den fallenden Schnee

Drei Stunden lang bin ich durch den knirschenden Schnee gestapft. Am Ende habe ich noch glücklich einen Platz im Bus erwischt, der mich nach Hause transportiert hat.

P.S. Auf meiner Festplatte wartet ein, ursprünglich für heute geplanter, halb fertiger Blogartikel weiter auf Veröffentlichung. Der wird schon nicht schlecht werden. Hoffe ich.

Ariana



© Fotos & Text by Ariana Lazar 12/01/2017

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Samstag, 7. Januar 2017

Eine sehr persönliche Bilanz 2016

Das erste Bild 2017 - Schneetreiben vor meinem Fenster
 

Warum es hier oft still ist bzw. bleibt


Mir wurde von einem lieben Menschen nahe gelegt, doch wieder etwas im Blog zu schreiben, weil der letzte Artikel schon wieder eine Weile her ist.

Nur was? Nicht, dass es mir an Ideen mangeln würde, das Gegenteil trifft eher zu. In meinem Gehirn überschlagen sich Gedanken und Ideen und die Vielfalt der Themen, die  innerhalb von Minuten in meinem Kopf herumschwirren, erschweren mir die Auswahl.

Vor einiger Zeit fand ich irgendwo im Netz eine, wie ich finde, ziemlich zutreffende Beschreibung, wie mein Gehirn funktioniert und die lautet übersetzt in etwa so:

Mein Gehirn funktioniert wie ein Internet-Browser:
Es gibt 12 offene Tabs.
5 davon reagieren nicht.
Ein GIF wird in einer Endlosschleife abgespielt.
Und woher kommt diese nervige Musik?

Hinzufügen würde ich, dass nicht nur eine Musik zu hören ist, sondern mindestens 5 Moderatoren auf einmal ihren Senf zu einem bestimmten Thema von sich geben. Natürlich aus unterschiedlichen Perspektiven, sonst könnte es ja langweilig werden.

Nachdem nun alle Unklarheiten verstärkt wurden, wende ich mich dem nächsten Teil zu. 😉

 

Warum sehr persönlich?


Eine einfache Antwort in einem Satz gibt es dazu nicht, da die Gründe vielfältig sind.

Der/das Blog war ursprünglich anders gedacht. Statt Vielfalt gibt es hauptsächlich Fotos mit den entsprechenden Texten. Das hat mit Kuddelmuddel jetzt nicht mehr wirklich viel gemein.

Ergo soll der Kuddelmuddel sich vermehren und das schließt ein, dass es sehr persönlich wird.

Drum sitze ich jetzt hier vor dem PC,
trink statt Kaffee gut gewürzten Tee
und wackel mit dem großen Zeh!
Oder so! 😃


2016 - ein Jahr im Rückblick


So vieles, an das man sich erinnern möchte, geht verloren, weil man nirgends aufgeschrieben hat, wann was geschah. Und so bleibt dieser Jahresrückblick naturgemäß unvollständig.

Januar 2016 - Das letzte Foto von Kitty

Januar - Februar


Eine schwere Zeit mit vielen Tierarztbesuchen, die ihren negativen Höhepunkt im Februar mit der Erlösung meiner langjährigen Wegbegleiterin und Gefährtin ihren traurigen Abschluss findet. Sie fehlt und manchmal sehe ich sie aus den Augenwinkeln oder spüre, wie sie ans Kopfende des Bettes springt und sich auf ihren gewohnten Schlafplatz legt. Es wird weniger, aber die Lücke bleibt.

Jeder Monat, und sei er noch so beladen mit Kummer, bringt Schönes hervor. Im Januar 2016 war dies ein Kinobesuch mit meiner Tochter, ein abendlicher Spaziergang im Schnee, sowie die unvermutete Sichtung eines Einhorns und ein goldener Sonnenuntergang.

Sogar der Februar hatte schöne Momente, allerdings nur spärlich durch Bilder dokumentiert. Der Trost und die Hilfe meiner lieben Nachbarin bei den Tierarztbesuchen und hinterher beim Abschiednehmen war Balsam für meine Seele und bleibt unvergessen.


März


Im März führte mich eine Kurzreise zur Creativa (mehr Creativa) nach Dortmund und ein Friedhofspaziergang mit meinem Sohn überraschte mit einer Fuchssichtung.


April


Ein seltsamer Monat, denn was schön und entspannend werden sollte, und worauf ich mich bereits sehr gefreut hatte, entpuppte sich nicht nur als Reinfall, sondern zeigte mir, dass es Menschen gibt, die sich immer noch schlechter benehmen können, als das, was mir bis dahin begegnet war. Traurig, dass der Mensch, an dem mir etwas liegt, nicht sehen will, mit was für einer Person er sich da verbunden hat. Nun ja, gegen, bewusste oder unbewusste, partielle Blindheit ist jeder machtlos.

Wunderschön war es dagegen wieder auf dem Leipziger Wolle-Fest. Strahlend blauer Himmel, ein Meer aus bunter Wolle, tiefenentspannte wollverliebte Käufer und Verkäufer garantierten einen wundervollen und gelungenen Tag.

Das erste zarte Grün, die ersten Blüten des Ahorns vor meinem Fenster und die bald üppig sprießenden Blumen habe ich in Bildern festgehalten.

Es gab Möhrentorte ohne Mehl, einen Ausstellungsbesuch und Katzensitting bei meiner Nachbarin. Leider lässt sich diese Katze absolut nicht streicheln.

Der alljährliche DDPP-Kongress war informativ und hochinteressant und die, ebenfalls alljährliche, Kirschblüte ein Fest für jedes Auge.


Mai


Wenn ich einen Jahreshöhepunkt wählen müsste, würde es mit großer Wahrscheinlichkeit der Mai werden. Vier Tage Amsterdam mit meinem Großen und das Wetter zeigte sich, trotz gegenteiliger Prognose, zum größten Teil trocken und sonnig.
Vier tolle, ereignisreiche Tage in einer weltoffenen und quirligen Stadt. Alleine die Erinnerung lässt mich sehnsüchtig seufzen.


Juni-November

 
Dieser Monat war der Anfang einer Reihe von furchtbaren Monaten. Die Monate davor wusste ich ja schon, dass die Fassadendämmung im Juni mit dem Aufbau eines Gerüsts beginnen würde. Monatelang fremde Menschen vor meinen Fenstern im dritten Stock. Wenn etwas einem wahrgewordenen Albtraum nahekommt, dann genau dieses Szenario

Es wurde noch schlimmer, als ich ohnehin befürchtet hatte. Die Bauarbeiten fingen schon morgens um sieben an und gingen bis abends um sechs. Und das sechs Tage in der Woche. Nur Sonntags wurde nicht gebohrt, gehämmert, geschrien und tonnenweise ekelhafter Staub im Hof verteilt. Teilweise war der Baulärm nicht einmal mit Ohropax zu ertragen und das Leben als moderner Höhlenmensch ist nicht das, was so mancher Romantiker sich vorzustellen vermag. Moderner Höhlenmensch, das hieß schlicht, dass ich die Vorhänge erst dann aufgezogen habe, wenn ich sicher sein konnte, dass sich keine Bauarbeiter mehr auf dem Gerüst tummelten.

Für einen lärmempfindlichen Menschen, der dazu einen Großteil seiner Zeit nicht wild auf die Gesellschaft seiner Mitmenschen ist, kommt ein solcher Lebensumstand einer Folter schon recht nahe.

Dazu kamen Querelen mit der Verwaltung und das Damoklesschwert des drohenden Einbaus neuer Fenster in meiner Wohnung. Meistens mag ich Menschen, aber Fremde in meiner Wohnung, die sich dann acht Stunden lang darin aufhalten, möglichst noch ohne meine Anwesenheit, das ist etwas, von dem ich sagen kann, dass ich es verabscheue. Zutiefst verabscheue!


Juni


Jedoch hatte selbst der Juni ein paar nette Begebenheiten in petto. Lieber Besuch, schöne Spaziergange und ein selbst gepflückter Wiesenblumenstrauß vom Nachbarn gegenüber.

Juli


Im Juli sorgte der Besuch des hier stattfindenden Armutskongresses für etwas Abstand zu den Bauarbeiten. Viel zu bedenken, zu viel zu beklagen und Wege suchend, etwas an den herrschenden Zuständen zu ändern.

Ein Abendbummel über den Alex bescherte mir ein paar fantastische Fotos.

August


Einmal lustwandelnd durch den Park von Sansoussi in Potsdam. Mit dieser Einladung überraschte mich mein jüngerer Sohn und so verbrachten wir einen entspannten, schönen Sommertag in diesem Schlosspark.

Auf der Festplatte gefunden habe ich Bilder von einem Regentag unterm Sonnenschirm eines Cafés. Wolkenbruch wäre wohl die treffendere Bezeichnung für dieses Ereignis.

Ende August gab es die ersten vom Herbst rot gefärbten Blätter. Wie schnell sich die Natur verändert.

September


Der einzige Anlass, zu dem ich Bilder habe, ist ein Ausflug mit Einladung zum Essen. Es gab leckeres Steak und das Wetter war toll. Sehr oft kann ich in diesem Monat nicht unterwegs gewesen sein, denn sonst mache ich immer zwischendurch Mal ein paar Fotos.

Oktober


Den Oktober habe ich, genau wie die Monate davor, hauptsächlich in meiner Wohnung verbracht. Nur das Kürbisfest in Schöneberg konnte mich rauslocken, ansonsten gibt es zwei, drei Bilder vom Chaos in meinem Wohnzimmer, das im Vorfeld der anrückenden Fensterbauer entstand.

November


Vor dem Anrücken der Fensterbauer habe ich bei einem Besuch in Frankfurt Kraft getankt. Zwei Tage auf der Kreativ Welt in Frankfurt und mein Großer mit Freundin als Gastgeber sorgten dafür, dass ich die dann folgenden Handwerkertage besser überstehen konnte. Ein toller Ballettabend rundete meinen Frankfurtbesuch ab.

Danach dann drei Tage lang Fremde in der Wohnung und jede Menge Lärm und noch mehr Staub.
Ab da folgte das große Auf- und Umräumen. Und putzen, putzen, putzen. Ich kann mir schönere Beschäftigungen  vorstellen um meine Zeit zu verbringen.

Somit sind wir fast am Jahresende angelangt, ohne einen Rückgriff auf das Jahr 2015 wäre die Bilanz aber nicht vollständig und so füge ich diesen hinzu.

September 2015 bis November 2016


Im November des Jahres 2016 kam tatsächlich der Bescheid über die Bewilligung des Persönlichen Budgets.
Insgesamt dauerte die Bescheiderteilung ab Antragstellung auf Weiterbewilligung 14 Monate. Damit geht der Sinn des Persönlichen Budgets verloren, denn das PB war ursprünglich als schnelle und möglichst unbürokratische Teilhabeleistung gedacht.

14 Monate, das ist eine zermürbend lange Zeit! Die Beantragung dieser Leistung,  vor allem jedoch die wiederholten Termine mit immer neuen Erklärungen, die ich abliefern musste, haben mich enorm viel Kraft, Energie und Lebensfreude gekostet. Und wären nicht noch andere davon abhängig gewesen, dass ich diese Leistungen erhalte, um die Leistung, die sie selbst in der Zwischenzeit erbracht hatten, ensprechend honorieren zu können, ich hätte darauf verzichtet. Mehr als einmal war ich kurz davor das Handtuch zu schmeißen.

Was Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen im Rahmen der Beantragung des PB zugemutet wird ist unmenschlich und selbst für einen Menschen ohne Behinderung kaum zu bewältigen. Hier werden Hürden aufgebaut, die ein einst so sinnvolles Mittel zur Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung in das Gegenteil verkehren.

Bei mir hatten die geballten negativen Umstände in den Monaten Juli bis November vor allem eins zur Folge: Rückzug. Rückzug in mich selbst und meine Wohnung mit nur noch geringstmöglichen Außenkontakten. Zeitweise bin ich nur für Familienangehörige erreichbar gewesen und nur durch das Internet war ich mit Menschen außerhalb dieses engen Kreises in reduziertem Kontakt. Überlebensmodus. Sicherung der puren Existenz, nicht mehr. So schlimm war es seit Jahren nicht und ich bin froh, dass diese Zeit endlich ein Ende gefunden hat.

Dezember


Ein rundum guter Monat. Der Überlebensmodus hat sich wieder in leben können verwandelt. Das erste Jahr seit Langem, bei dem ich nicht schon Wochen vor Weihnachten vor lauter Stress auf dem Zahnfleisch gegangen bin. Die meisten Weihnachtsvorbereitungen liefen relativ relaxt und stressfrei ab. Bis auf die letzten zwei Tage vor Heiligabend, aber das war erträglich.

Ein ruhiges, friedliches Fest mit viel gutem Essen, liebem Besuch einer jungen Australierin, ohne Hektik, TV und Musik, dafür mit viel reden und lachen entschädigt dafür allemal.

Und weil ich endlich einmal nur zwei statt drei Tage lang für die Unterhaltung und Versorgung der ganzen Familie zuständig sein wollte, hatte ich mich entschlossen, am zweiten Feiertag essen zu gehen. Das habe ich dann auch am zweiten Weihnachtstag mit meinem jüngeren Sohn getan und habe es sehr genossen. Ich glaube, eine neue Tradition wurde geboren, denn wie heißt es doch:

Wer die alten Traditionen nicht mag, muss sich selber neue schaffen. Oder so ähnlich.😃

Den Abschluss des Jahres bildete ein Opernbesuch mit der ganzen Familie. Diesmal stand Ballett auf dem Programm der Deutschen Oper. Der Nussknacker von Tschaikowsky.

Tschaikowsky bringt mich zu Schwanensee und Schwanensee zurück in meine Kindheit. Zum ersten Mal gesehen habe ich Schwanensee, als ich noch ganz klein war. Im Fernsehen in schwarz-weiß, als ich ausnahmsweise einmal bei meinen Großeltern übernachtete. Viel Platz gab es da nicht. Wohn- und Schlafzimmer bildeten einen Raum und zwischen der ausgezogenen Schlafcouch und der Wand zur Küche war mir ein weicher Schlafplatz auf dem Boden bereitet worden. Die Musik und das Ballett haben mich so beeindruckt, dass ich monatelang danach noch getanzt habe und unbedingt ins Ballett wollte.

Das bildet eine meiner frühesten und gleichzeitig schönsten Erinnerungen an meine Kindheit, wahrscheinlich liebe ich deshalb die Musik von Tschaikowsky so sehr.

Und so endete das Jahr 2016 für mich persönlich versöhnlich.

Als fotografischer Abschluss hier eines der letzten Bilder des Jahres 2016. Das Foto zeigt das wohl älteste Schmuckstück meines Weihnachtsbaumes. Der kleine Engel auf der Wolke hing schon bei meiner Großmutter am Baum und ging nach ihrem Tod in meinen Besitz über. Seitdem hängt er jedes Jahr weit oben in meinem Baum.

Engel mit Laterne auf einer Wolke


Randbemerkungen:
Ereignisse zu denen bereits Artikel auf dem Blog stehen, habe ich verlinkt. Bei einigen Ereignissen werde ich vielleicht noch Artikel schreiben oder Fotos hochladen.

Viele schöne Erinnerungen im vergangenen und kommenden Jahr wünsche ich mir und jedem geneigten Leser.

Ariana

© Fotos & Text by Ariana Lazar 01/2017

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Freitag, 9. Dezember 2016

Weihnachtliches Überraschungspäckchen



Als ich gestern vom Besuch des Historischen Weihnachtsmarktes nach Hause kam, hatte eine Nachbarin ein Päckchen für mich entgegen genommen. Da ich nichts bestellt und somit keine Paketpost erwartet hatte, war ich ziemlich neugierig, wie wohl der Inhalt des festlich verpackten Überraschungspäckchens aussehen würde. Die Zahl drei auf der Verpackung ließ mich ahnen, dass es wohl ein Gewinn von einem der wenigen Adventskalendergewinnspiele war, an denen ich in diesem Jahr teilgenommen habe.

Nach der Entfernung der äußeren Hülle zeigte sich ein brauner länglicher Karton. Das Ganze war sehr leicht und bei vorsichtigem Schütteln ließ sich dem Karton kein Geräusch entlocken.


So öffnete ich auch diesen und fand drei feine, zarte Porzellanwindlichter, die, richtig nebeneinandergestellt, den goldenen Schriftzug JUL zeigen. Als ich die Windlichter ausgepackt hatte, fiel mir auch der dazu passende Adventskalender wieder ein, denn ich fand diesen Gewinn besonders schön, weil die Windlichter so schlicht und festlich sind.


Teelichter heraussuchen, die Porzellanbecherchen der Reihe nach aufstellen, die Kerzen anzünden und den sich mir bietenden Anblick genießen, war das, was folgte.


Erst bei Dunkelheit und mit brennenden Teelichtern erkennt man, wie durchscheinend die Becherchen sind und ich finde, dass sie die ideale Ergänzung zu meinem unlängst günstig erworbenen weißen Weihnachtsmann bilden.


Dank dieser Überraschung sieht es jetzt selbst bei mir etwas festlich und geschmückt aus, denn ansonsten kämpfe ich hier immer noch gegen den allgegenwärtigen Staub, der es sich seit dem Handwerkereinsatz bei mir gemütlich macht.

Ich freue mich umso mehr über den Gewinn, weil ich schöne Dinge liebe und mir diese zarten Windlichter nie geleistet hätte, da dies der Inhalt meines Portemonnaies nicht erlaubt.

Und so wünsche ich allen, die dies lesen, dass sie etwas erhalten, was sie freudig überrascht. Sei es ein nachträgliches Nikolausgeschenk, einen lieben Gruß oder ein unverhofftes Lächeln.

Ariana

© Fotos & Text by Ariana Lazar 12/2016

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Mittwoch, 29. Juni 2016

Der Verlust der Worte

Die Worte


Als ich gestern nach einem schönen Tag nach Hause gekommen bin, wollte ich mich ursprünglich hinsetzen und darüber schreiben, was mir an diesem Tag widerfahren war.

In meinem Kopf schwirrten lauter schöne, Kraft gebende und farbenfrohe Worte herum, die darauf drängten, aufgeschrieben zu werden.

Der Fehler


Anstatt mich hinzusetzen und die Worte gleich in meine Tastatur fließen und dadurch Gestalt annehmen zu lassen, öffnete ich meinen Browser und damit diese andere Welt.

In meinem Fall die Welt von Facebook und schon nach wenigen Augenblicken bereute ich es, denn so ziemlich das Erste, was Facebook mir entgegenrief, war nichts Erfreuliches. Wie so oft in letzter Zeit.

Der Tod von Bud Spencer sprang mich an und fast augenblicklich wisperten die Worte in meinem Kopf nur noch.

Eine traurige Nachricht fürwahr und doch, trotz aller Traurigkeit, eher zweitrangig, denn den Menschen hinter diesem Namen kannte ich nicht persönlich, wenngleich er oft ein gern gesehener Gast in meinem Wohnzimmer war. Aber dieser Gast zeigte sich nur als Abbild in verschiedenen Rollen auf meinem Fernseher und wie viel dieses mit dem Menschen gemein hatte, der die Rollen verkörperte, blieb mir verborgen.

Obwohl ich den Menschen Bud Spencer nicht wirklich kannte, mochte ich ihn. Seine Augen blickten immer freundlich und ich mochte die Lachfalten um sie herum. In seinen Filmen gab es nie Tote, alle standen wieder auf und das Gute gewann jedes Mal ganz selbstverständlich.

Die Trauer


So unverhofft mit dem Tod des sympathischen Mannes konfrontiert, stellte sich bei mir, wie wohl bei vielen anderen Menschen, eine leise Trauer und ein wehmütiges Bedauern ein.

Schon wieder ein Guter, der gegangen ist. Es waren schon einige in diesem Jahr.

Obwohl ich es besser wissen sollte, ließ ich es zu, dass diese Meldung mich stark beschäftigte, und befasste mich intensiver damit. Das geschieht bei Facebook fast schon zwangsläufig, denn meine Timeline war schnell voller Statusbeiträge, die das Ableben des Künstlers zum Inhalt hatten.

Der Verlust


Zu lange und zu intensiv, wie ich nach einiger Zeit feststellen musste, denn als ich mich innerlich wieder meiner eigentlichen selbst gestellten Aufgabe zuwenden wollte, stellte ich verdattert fest, dass ich weit weg von dem war, was ich schreiben wollte. Sowohl inhaltlich als auch emotional.

An etwas Schönem festzuhalten, wenn man sich auf deprimierende, traurige oder schlicht schlimme Nachrichten konzentriert, ist extrem schwierig, fast unmöglich. Das Schöne tritt in den Hintergrund, verschwimmt, löst sich in Nebel auf und ist nicht mehr fassbar. Nicht, dass es ganz verschwunden wäre, es wird aber diffus, verweigert sich der Sprache und flutscht Dir zwischen den Fingern davon, als wäre es Wasser.

Nicht umsonst gucke ich schon lange Jahre keine Nachrichten im Fernsehen mehr. Es deprimiert mich zu sehr, verdeutlicht mir die eigene Hilflosigkeit angesichts der furchtbaren Dinge, die Menschen anderen Menschen antun und nimmt mir die Luft zum Atmen. Und es raubt mir die Kraft, die ich benötige, um wenigstens ein Stück weit meinen Alltag zu bewältigen.

Und so trauere ich wieder. Diesmal ist die Trauer größer und der Verlust für mich selbst bedeutungsvoller. Sprache ist für mich mehr, als die Möglichkeit der Kommunikation. Worte transportieren Stimmungen, Farben, Gefühle und Worte zu verlieren, in ihrem Zusammenhang, ihrer Bedeutung, ihrer Kraft und Unmittelbarkeit, schmerzt mich.

So vieles befindet sich bei mir gerade im Wandel, so vieles ändert sich, da möchte ich so gerne festhalten, was mich stärkt.

Die Hoffnung


Am Ende bleibt mir nur die Hoffnung. Die Hoffnung, dass die Worte wieder aus den Nebelschwaden der Insel des Vergessens zu mir zurückfinden, wenn ich mir Zeit nehme und mich in Geduld übe.

Morgen habe ich einen wichtigen Arzttermin, danach bleibt mir Zeit mich irgendwohin zu setzen, meinen Schreibblock vor mich hinzulegen und den Kugelschreiber in die Hand zu nehmen. Wer weiß schon, was alles geschieht, wenn man einfach nur wartet!

Die Hoffnung sollte man nie verlieren und vielleicht sollte ich selber den Satz mehr beherzigen, den ich heute als bildliche Untermalung des Artikels genommen habe:


"Nichts ist schwieriger festzuhalten, als ein flüchtiger Gedanke!" 
(Leider weigert sich blogger gerade total, das Bild hochzuladen! Was mich darin bestärkt, so schnell wie möglich mit dem Blog umzuziehen.)


Lieben Gruß

Ariana



© Foto & Text by Ariana Lazar 29/06/2016

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